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Wenn Entwicklung zur Diagnose wird

Aktualisiert: vor 2 Tagen

„Ist das noch normal?“

Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn ihr Kind klammert, trotzt, ängstlich wirkt oder sich zurückzieht.

Doch nicht jede Auffälligkeit ist eine psychische Störung.


Gerade im Vorschulalter stehen Kinder vor wichtigen Entwicklungsaufgaben. Sie lernen, sich von ihren Eltern zu lösen, eigene Gefühle zu regulieren, Frustrationen auszuhalten und ein eigenes Selbst zu entwickeln. Dabei geraten sie immer wieder aus dem Gleichgewicht.

Was Erwachsene als Problem erleben, kann deshalb Teil einer gesunden Entwicklung sein.

Hinzu kommt etwas, das oft übersehen wird:

Vorschulkinder verfügen noch nicht über ein gefestigtes Selbstbild. Sie entwickeln ihre Vorstellung von sich selbst vor allem über die Rückmeldungen ihrer wichtigsten Bezugspersonen. Sie werden gespiegelt.


Durch die Art, wie Erwachsene auf sie reagieren, lernen sie, wer sie zu sein scheinen. Werden sie als kompetent, liebenswert und entwicklungsfähig erlebt, kann daraus Vertrauen in die eigene Person wachsen. Werden sie hingegen wiederholt als schwierig, auffällig, überempfindlich oder „nicht normal“ betrachtet, können auch diese Zuschreibungen Teil ihres Selbstbildes werden.

Deshalb ist es so wichtig, zwischen einem Verhalten und der Persönlichkeit eines Kindes zu unterscheiden.


Ein Kind ist nicht seine Angst.

Ein Kind ist nicht seine Wut.

Ein Kind ist nicht seine Unsicherheit.


Das bedeutet nicht, dass Diagnosen unnötig sind. Im Gegenteil: Eine sorgfältige Diagnostik kann Kindern und Familien wichtige Unterstützung ermöglichen.

Die entscheidende Frage lautet jedoch:

Handelt es sich um eine psychische Störung – oder um einen Entwicklungsschritt, der verstanden und begleitet werden möchte?

Deshalb braucht es weder Verharmlosung noch vorschnelle Pathologisierung.


Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Entwicklung verstehen.



Foto: Unsplash


 
 
 

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