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Das zerrissene Kind




Trennen sich Eltern, ist dies für ein Kind oft mit massivem Stress in Form von tiefer Verunsicherung und Verlustängsten verbunden. Je jünger das Kind, desto stärker der Stress.


Ist die Kommunikation zwischen dem Elternpaar gescheitert, wird häufig das Familiengericht eingeschaltet. Nun wird gestritten, bestritten, taktiert, erlebte Kränkungen spiegeln sich in den Schriftsätzen der Rechtsanwälte wider.


Auch wenn das Kind meist richterlich angehört wird, gerät sein Erleben in einer familiengerichtlichen Auseinandersetzung häufig aus dem Blick.



Ein Kind liebt und braucht Papa und Mama gleichermaßen.



Es fühlt sich hin- und hergerissen, und spürt, „egal was ich mache, einem von beiden wird es nicht recht sein“. Im Strudel der elterlichen Auseinandersetzungen gefangen, wird die erlebte Ohnmacht häufig durch Verweigerung, körperliche Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder stillen Rückzug, auch in Kindergarten oder Schule, ausgeglichen. Stress pur. Das Nervensystem des Kindes dies beständig kompensierend, bleibt weniger Energie für die eigentliche psychosoziale Entwicklung des Kindes, die damit gehemmt wird, und oft nur verzögert stattfinden kann.


Eine pragmatische Lösung für den Streit um ein Kind findet sich im „Kaukasischen Kreidekreis“ von Bertolt Brecht. Darin kämpfen zwei Mütter, die leibliche und die soziale, um ein Kind.

Im Prozess entscheidet der als Richter eingesetzte ehemalige Dorfschreiber Azdak den Fall mit Hilfe eines Kreidekreises, in den das Kind gestellt wird: „Die richtige Mutter wird die Kraft haben, das Kind aus dem Kreis zu ziehen.“

Kaum hat der Zweikampf um das Kind begonnen, lässt die soziale Mutter das Kind los, weil sie ihm nicht weh tun will. Daraufhin spricht Azdak ihr das Kind zu: Nicht die leibliche Mutter soll das Kind bekommen, da sie es preisgegeben hat, sondern die „Mütterliche“, die es gerettet und aufgezogen hat.


Die Eltern, die ihr Kind nicht preisgeben, sondern, sich trotz aller erlebten Kränkungen und Konflikte in der Paarbeziehung um Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Kommunikation zum anderen Elternteil bemühen, um eben GERADE NICHT am Kind zu zerren, und es vor einer gerichtlichem Auseinandersetzung retten,


zeigen wahres Mütterliche, bzw. Väterliche.



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