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Die neue Verwöhnungskultur – Warum wir Kindern zu viel abnehmen


Wenn wir über Verwöhnung sprechen, denken die meisten an überfüllte Kinderzimmer oder Eltern, die ihren Kindern jeden Wunsch erfüllen. Doch die eigentliche Verwöhnung unserer Zeit sieht anders aus.


Wir nehmen Kindern die Mühe des Wachsens ab.


Wir greifen ein, bevor sie selbst nach Lösungen suchen können. Wir schlichten jeden Konflikt, entschärfen jede Frustration, erklären jedes Gefühl und organisieren ihren Alltag bis ins Detail. Was wie Fürsorge aussieht, verhindert oft genau das, was Kinder am dringendsten brauchen: die Erfahrung, selbst wirksam zu sein.


Denn Selbstwirksamkeit entsteht nicht durch Erklärungen. Sie entsteht durch die Erfahrung: „Ich habe das selbst geschafft.“


Unsere Gesellschaft scheint Frustration immer häufiger als etwas zu betrachten, das vermieden werden muss. Langeweile wird sofort beseitigt, Streit schnell geschlichtet und Unsicherheit möglichst aufgelöst.


Doch nicht jede Frustration ist eine Überforderung. Nicht jeder Konflikt ist schädlich. Vieles davon ist Entwicklung.


Gerade deshalb beobachte ich mit Sorge eine Haltung, die sich durch viele Bereiche zieht. Eltern möchten Leid ersparen. Lehrkräfte möchten Konflikte schnell lösen. Erzieherinnen und Erzieher wünschen sich einen reibungslosen Alltag. Und auch Therapie kann – wenn sie dem Kind die innere Arbeit abnimmt – Entwicklung eher ersetzen als fördern.


Der entscheidende Unterschied lautet:


Unterstützung stärkt. Stellvertretung schwächt.


Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen etwas zutrauen. Die begleiten, ohne zu übernehmen. Die Frustration aushalten, statt sie sofort zu beseitigen. Die nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg räumen, sondern daneben stehen, wenn das Kind sie bewältigt.


Kinder brauchen keine perfekte Kindheit. Sie brauchen Gelegenheiten, Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen und daran zu wachsen.


Vielleicht besteht die größte Herausforderung unserer Zeit deshalb nicht darin, Kindern mehr zu geben.


Vielleicht besteht sie darin, ihnen wieder etwas zurückzugeben:


Verantwortung. Zutrauen. Und die Chance, sagen zu können: „Ich habe das selbst geschafft.“


Kinder werden nicht stark, weil wir ihnen das Leben erleichtern. Sie werden stark, weil wir ihnen zutrauen, mit dem Leben umzugehen.









 
 
 

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