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Der Körper reift früher. Reift die Psyche mit?


Kinder werden heute immer früher pubertär. Über Ernährung, Körpergewicht und Hormone wird viel gesprochen. Zu Recht.


Aber vielleicht übersehen wir eine andere Entwicklung.

Wir fördern heute mit großer Hingabe die Köpfe unserer Kinder: frühes Lesen, Fremdsprachen, Problemlösen, Gefühle benennen, alles erklären, alles besprechen.


Was dabei oft zu kurz kommt, ist das eigentliche Übungsfeld emotionaler Reife.


Wut aushalten. Frust erleben. Neid spüren. Scham integrieren. Sich streiten, ohne dass Erwachsene sofort schlichten. Grenzen setzen. Grenzen akzeptieren.


Das kann man nicht erklären.

Das muss man erleben.

Vielleicht liegt genau hier unser blinder Fleck.


Wir verwechseln emotionale Sprache mit emotionaler Reife.

Ein Kind, das sagen kann: „Ich bin gerade frustriert“, kann trotzdem Schwierigkeiten haben, Frustration auszuhalten. Ein Jugendlicher, der seine Gefühle brillant reflektiert, muss sie deshalb noch lange nicht regulieren können.


Die Pubertät fordert genau das.

Sie verlangt nicht nur einen reiferen Körper. Sie verlangt einen reiferen Umgang mit Wut, Scham, Enttäuschung, Nähe und Ablösung.


Vielleicht beginnt die Pubertät heute tatsächlich früher.

Umso wichtiger ist die Frage, ob die emotionale Entwicklung Schritt hält.




 
 
 

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