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Ausgrenzung im Kindergarten


Kürzlich wurde mir von einem 5 Jahre alten Jungen berichtet, der aufgrund seiner Wutanfälle regelmäßig von der Gruppe separiert, und sich dann in der Garderobe aufzuhalten hatte. Zudem wurde er mit dem Ausschluss von einer Exkursion bestraft. Über Monate sei eine Fachkraft in die Einrichtung gekommen, um das Kind zu beobachten, und den Erziehern im Anschluss Tipps im Umgang mit dem Jungen zu geben.


Die Beobachtung vermittelt dem Kind vermutlich, dass mit ihm „etwas nicht stimmt“, sonst müsste es nicht wie eine Laborratte beobachtet werden.


Mit der auf die Wutanfälle erfolgten Reaktionen der Ausgrenzung durch die Erzieher wird er bestraft für eine vermutlich entwicklungspsychologisch noch nicht abgeschlossene Entwicklungsaufgabe, bei deren Bewältigung, im Sinne einer Emotionsregulierung, er von seinen Bezugspersonen Unterstützung hätte erwarten dürfen. Eine ebenfalls in Frage kommende emotionale Not des Jungen hätte von seinen Bezugspersonen ebenfalls wahrgenommen, und der Grund dieser erforscht werden müssen.


Die Ausgrenzung aus der Gruppe ist für uns Menschen als soziale Wesen eine der schlimmsten Strafen. Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, dass das menschliche Gehirn Ausgrenzung genauso wahrnimmt wie absichtlich zugefügte körperliche Schmerzen, die Wut und Ärger nach sich ziehen können. Diese Gefühle manifestieren sich im Blut, so dass die Entzündungswerte steigen können, und das Risiko, später an einer Depression zu erkranken, nimmt zu.

Hinzu kommt, dass ein 5jähriges Kind noch nicht über eine stabile psychische Grundstruktur verfügt, um mit einem solchen Stress adäquat umgehen zu können.


Es stellt sich die Frage, ob nicht die Wut des Jungen durch den, ihn beschämenden und demütigenden, Umgang mit ihm verursacht, wenigsten aber verstärkt worden sein könnte.


Die Arbeit mit Kindern ist eine der anspruchsvollsten Tätigkeiten. Umso mehr freue ich mich, wenn Erzieher untereinander oder mit mir oder meinen Kollegen Kontakt aufnehmen. Nicht weil ich es besser weiß, sondern beständigen kollegialen Austausch, Impulse und gegenseitige Wertschätzung für grundlegend erachte.


Auch wünsche ich mir manchmal, dass diejenigen, die mit Kindern arbeiten, ihre schicken Abschlüsse wegwerfen und sich der eigenen Herzensbildung widmen, um der Erwachsene zu werden, den auch sie sich als Kind so sehr gewünscht hätten.










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